Die Kirche

Besucher, die von der Autobahn A4 und weiter der B6 und der B99 nach Görlitz kommen, werden wie in vielen anderen ostdeutschen Städten von einem Neubaugebiet begrüßt − Könighufen.

Wer vermutet jedoch inmitten der Plattenbauten aus den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine kleine Dorfkirche? Und doch steht sie hier mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre sie das erste Gebäude in diesem nördlichen Stadtteil von Görlitz gewesen. Dem ist aber nicht so, denn ihre Grundsteinlegung war erst am 08. März 1992, wie einer kleinen Steinplatte rechts neben dem Hauptportal zu entnehmen ist. Dieses Rätsel löst sich, wenn man erfährt, dass es sich um einen Kopiebau der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche aus Deutsch-Ossig handelt, einem Dorf, welches dem Braunkohletagebau zum Opfer fiel.

Zur Geschichte der Kirche

Deutsch-Ossig – ca. 8 km Luftlinie südlich vom jetzigen Standort unserer Hoffnungskirche – ist wohl im 13. Jahrhundert von deutschen Bauern zwischen Görlitz im Norden und dem Zisterzienserinnenkloster Marienthal im Süden gegründet worden. Ausgrabungen haben gezeigt, dass bereits um 1250 eine Kirche vorhanden war. Ab 1400 sind zahlreiche Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen belegt. 1443 fand eine Neuweihung statt.

Es war das Bestreben der Verantwortlichen für den Wideraufbau, die Inneneirichtung nicht nur zu restaurieren, sondern sie in den Zustand zu versetzten, wie er im 18. Jahrhundert, zur Zeit ihrer Weihe nach dem barocken Umbau, war. Selbst ehemaligen Bewohner von Deutsch-Ossig sind überrascht – so hatten sie ihre Kirche noch nie gesehen.

Die Grundzüge ihrer heutigen Gestalt erhielt sie, nachdem man im Jahre 1714 einen grundlegenden Umbau des viel zu klein gewordenen Kirchengebäudes beschlossen hatte. Am 17. Juni 1718 wurde sie in ihrer neuen Pracht geweiht.

Nachdem im Jahr 1755 der Turm erhöht und mit seiner barocken Haube ausgestattet wurde, begann 1767 eine zweite große Bauphase. Aus den Einzelteilen der bis dahin vorhandenen zwei Patronatslogen der Ostherrschaft rechts und links vom Altar wurde die Loge unter dem Turm errichtet. Gleichzeitig brach man die Mauern der östlichen Nord- und Südjoche auf, um die neuen doppelgeschossigen Logen mit ihren Holzprospekten zum Innenraum zu errichten.

Als nach 1986 feststand, dass mit dem gesamten Ort Deutsch-Ossig auch die Kirche abgebrochen werden muss, kämpften viele Menschen um den Erhalt dieses Kunstwerkes als Ganzes. Die Einzelteile der Ausstattung sollten nicht, wie bei anderen der Kohle geopferten Kirchen, auf verschiedene Orte und Museen aufgeteilt werden. Nach langem, zähen Ringen fiel die Entscheidung zu einem Bauvorhaben, welches es in der Geschichte der DDR kein zweites Mal geben sollte: Sofort nach dem letzten Gottesdienst 1988 wurde die Innenausstattung in alle Einzelteile zerlegt, die steinerne Hülle wurde detailliert vermessen und ab 1992 in Könighufen aus modernem Ziegelmauerwerk wieder aufgebaut.

Zwischen 1715 und 1784 ist ein von Formen aus dem Barock und Rokoko geprägter Raumeidruck entstanden, wie er in Sachsen kein zweites Mal zu finden ist. Vor allem dieser Tatsche ist es zu verdanken, dass sich unzählige Menschen für die Erhaltung und den Wiederaufbau dieses Gotteshauses und Denkmals der deutschen Baukunst eingesetzt haben. Ihnen allen gelten ein herzlicher Dank und Gottes reicher Segen.